Ich habe HR eigentlich immer gehasst

Ich bin Professor für Personalmanagement. Dabei hat mich Personalmanagement im Studium ziemlich gelangweilt. Damals hieß das noch „Personalwesen“ oder „Personalwirtschaft“ – Vorbereitung auf eine Karriere in der Lohnstube. Seitdem hat sich in der Personalwelt so manches bewegt, aber lange nicht genug. Noch heute muss ich mit mir kämpfen, wenn ich ein Personal-Lehrbuch aufklappe. In den wenigsten finden sich Lösungen, die wir in der Industrie in Anbetracht der dramatischen Herausforderungen so dringend brauchen. Diese Herausforderungen wiederum faszinieren mich.

Nun will ich mich nicht in die Liste zahlreicher HR-Kritiker einreihen, die am Ende ohne Lösungen dastehen. Davon gibt es schon jede Menge. Personal ist für jeden Kritiker und selbsternannten Management-Guru ein gefundenes Fressen – das schwache Reh, auf das sich der scheinbar Überlegene, aber in Wirklichkeit hinkende Feind stürzt: „Siehst Du! Das kommt davon, wenn man keinen Seat-at-the-Table hat“.

Ich orientiere mich an Bertrand Russell: The fundamental cause of the trouble is that in the modern world the stupid are cocksure while the intelligent are full of doubt.

Alles was wir bisher über Personalmanagement wissen, ist vermutlich falsch. Alles, was ich verbreite – wo auch immer – ist vermutlich falsch. Ich will mir meiner Sache nie todsicher (cocksure) sein. Deshalb bin ich immer auf der Suche, stelle Fragen, die für so manchen zynisch klingen; will nicht nur auf Dinge zeigen, die nicht funktionieren, sondern auch Ideen einbringen, wie etwas funktionieren könnte. Dadurch bin ich seit vielen Jahren ein neugieriger, kritischer und hoffentlich kreativer Schüler und Lehrer zugleich. Am meisten habe ich immer von Unternehmen gelernt, die im HR etwas Neues ausprobiert haben.

Das was ich in den vielen Jahren gelernt habe teile ich in meiner Lehre, meinen Vorträgen, meinen Beratungsprojekten und meinen Büchern. Was für ein schöner Beruf!