Schriftliche Befragungen kann man machen – nur leider sind sie nicht wertschätzend

von Prof. Dr. Armin Trost

Bernd ist 32 Jahre alt. Er denkt allmählich ans Heiraten nur leider fehlt ihm die passende Frau dazu. Das ist deshalb tragisch, weil er in den vergangenen 15 Jahren Beziehungen zu mindestens 10 Frauen hatte. Mal ging die Sache länger, mal etwas kürzer. Für seine letzte Freundin hatte er sich etwas Besonderes ausgedacht. Als sie unvermittelt Schluss machte händigte er ihr einen Fragebogen aus. „Janine, das ist natürlich sehr schade, dass Du mich verlassen möchtest. Leider bist Du ja nicht die erste, die mit mir Schluss macht. Daher würde ich Dich gerne bitten, diesen Fragebogen sorgfältig auszufüllen, damit ich systematisch lernen kann, was ich zukünftig anders machen muss“. Der Fragebogen war professionell aufgemacht. Er beinhaltete Frage wie: Was sind die drei wichtigsten Gründe, warum Du mich verlässt? Hast Du einen neuen Freund? Wenn ja, was hat er, was ich nicht habe (bitte die drei wichtigsten Kategorien ankreuzen)? Würdest Du trotzdem einer Freundin empfehlen, eine Beziehung mit mir einzugehen?

Damit war die Sache endgültig erledigt. Die Reaktion von Janine folgte direkt: „Dieser Scheißfragebogen ist ein weiterer Grund, warum ich Dich verlasse. Du interessierst Dich einfach nicht für mich“.

Unternehmen, die ihren freiwillig scheidenden Mitarbeitern einen schriftlichen Exit-Fragebogen aushändigen, haben sich vermutlich nie für ihre Mitarbeiter interessiert. Unternehmen, die ausschließlich schriftliche Mitarbeiterbefragungen durchführen um die Befindlichkeiten der Mitarbeiter zu verstehen interessieren sich nicht wirklich für ihre Mitarbeiter. Unternehmen, die Kunden ausschließlich mit Fragebogen um eine Rückmeldung bitten interessieren sich nicht für ihre Kunden (auch wenn ein Mitarbeiter einer Hotline den Fragebogen persönlich vorliest).

Wenn man sich für die Meinungen und Sichtweisen von Menschen wirklich interessiert, dann redet man mit ihnen. So einfach ist das und die meisten Leser dieses Beitrags wussten das schon vor dem Lesen. Warum verlassen sich dann so viele Unternehmen auf diese weit verbreiteten, langstieligen Instrumente? Darüber sollten wir uns mal ernsthaft Gedanken machen.

Kommentare

  • Herbert Reiss 2. Februar 2017

    „…so einfach ist das! “ – dem ist nichts hinzuzufügen, außer: „toller Beitrag“!

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