Was ist Ihre Talentstrategie?

von Prof. Dr. Armin Trost

Talentierte Mitarbeiter sind ein Segen für jedes Unternehmen. Gerade in den vergangenen Jahrzehnten haben sich immer mehr Unternehmen um ein entsprechendes Talentmanagement bemüht. Da stellt sich natürlich die Frage nach der geeigneten Talentstrategie.

Hier ist Vorschlag A:

Man muss Talente im Unternehmen aktiv entdecken und ihnen besondere Aufmerksamkeit schenken sonst blieben wertvolle Potenziale ungenutzt. Wir betrachten es daher als eine zentrale Führungsaufgabe, Talente im Unternehmen ausfindig zu machen und sie gezielt zu identifizieren.

Wir betrachten es  als eine zentrale Führungsaufgabe, Talente im Unternehmen ausfindig zu machen und sie gezielt zu identifizieren.

Dafür haben wir entsprechende Instrumente. Als Unternehmen übernehmen wir die Verantwortung für die Entwicklung unserer talentiertesten Mitarbeiter. Für uns gibt es gibt kaum eine bessere Investition, als die aktive und gezielte Förderung unserer Talente. Damit unsere Talente schnellstmöglich lernen werfen wir sie dann und dort ins kalte Wasser, wo es aus Unternehmenssicht als sinnvoll erscheint. Wir bieten unseren Talenten darüber hinaus strategisch abgestimmte Trainingsprogramme. Dadurch können wir sicherstellen, dass unsere Talente das lernen, was das Unternehmen am Ende auch braucht. Wir weisen jedem Talent einen Mentor aus dem oberen Management zu. Dabei achten wir systematisch auf den richtigen Match. Mitarbeiter erwarten klare Perspektiven und Karrierewege. Deshalb beschreiben wir möglichst präzise, wie man bei uns an die Spitze kommt. Der Einsatz und die Beförderung unserer Talente basiert auf der Passung zwischen Eignungs- und Anforderungsprofilen. Dadurch vermeiden wir den „Nasenfaktor“.

Klingt gut, oder?

Dann folgt hier Vorschlag B:

Talente, die aus eigenem Antrieb heraus nicht sichtbar werden sind für uns keine Talente. Es ist hilfreich, hierfür Gelegenheiten zu schaffen. Mitarbeiter sollten ihre besonderen Begabungen selbst erkennen und sich eigenverantwortlich „ins Spiel“ bringen. Das wiederum fördern wir aktiv.

Die Verantwortung für die Entwicklung unserer Mitarbeiter liegt bei den Mitarbeitern selbst

Die Verantwortung für die Entwicklung unserer Mitarbeiter liegt bei den Mitarbeitern selbst. Wir befähigen Sie hierfür, wo nötig und erwünscht. Talente muss man nicht fördern – sonst wären sie keine. Das einzige, was wir als Unternehmen tun können besteht darin, Hürden aus dem Weg zu räumen. Talente suchen eigenständig kalte Wasser und springen von selbst hinein. Wir sollten ihnen vertrauen und sie nicht daran hindern oder gar Zugänge verwehren. Mitarbeiter entwickeln und nutzen Trainingsmöglichkeiten selbstständig. Sie wissen selbst am besten, was ihnen weiterhilft. Dafür erhalten Sie entsprechende Unterstützung (z. B. Coaching, Budget). Talente wählen sich ihre Mentoren selbst aus. Sie müssen ihre Mentoren selbst gewinnen. Wenn sie das nicht schaffen, haben sie auch langfristig nur geringe Chancen. Es gibt bei uns so viele Karrierewege, wie es Mitarbeiter gibt. Nichts ist vorgegeben oder gar vorgeschrieben. Alles ist am Ende individuell. Unseren Mitarbeitern bieten wir eine Transparenz über bisherige Erfahrungen und Karrieren Anderer. Am Ende entscheidet immer das persönliche Vertrauen darüber, welche Möglichkeiten ein Talent bekommt. Vertrauen reduziert Komplexität.

Das klingt auch nicht schlecht. Zwei komplett unterschiedliche Welten zu ein und demselben Thema. Fast alle großen Unternehmen haben ein so genanntes Talentmanagement. Aber wie viele davon haben eine Talentstrategie? Und wie viele wiederum haben sich tatsächlich darüber Gedanken gemacht, ob sie eher zu Alternative A oder zu Alternative B tendieren wollen?

Kommentare

  • Kurt Huber 22. März 2017

    Danke für diesen spannenden Gedanken.
    Die Alternative B macht ein Menschenbild erforderlich, das im Großteil unserer Wirtschaft leider nicht üblich ist. Bisher wird gesagt, was getan werden muss und nicht selbstständig darüber nachgedacht und entschieden. Das macht´s nämlich „unsteuerbar“.
    Als ob es nicht ohnedies immer schon unsteuerbar gewesen wäre 😉
    Wir müssen jetzt nur noch mutige Manager finden, die sich mit den Unternehmen in diese Alternative wagen. Oder kennt jemand ein Unternehmen, wo das so funktioniert?

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